Wasser
Stell dir vor, du sitzt am Strand. Die Sonne lässt das azurblaue Meer silbern glänzen.
Ein warmer Windhauch kühlt die heißen Strahlen der Sonne auf deiner Haut. Durch den warmen Sand auf dem du sitzt, und dem gleichmäßigen Rauschen des Meeres kommt ein Gefühl von Ruhe und Frieden auf.
Die Wellen kommen und gehen. Eine Welle rollt auf dich zu und umspült deine Füße und Beine. Ein ständiger Wechsel zwischen Kühle und Wärme entsteht! Das erfrischende Wasser das über deinen Unterkörper gleitet und der Sonne die ihn wieder aufwärmt, wenn es sich zurück zieht. Jede Welle nimmt immer etwas Sand mit. Dein Sitz wird stabiler. Der Sand passt sich deinem Körper an und bietet dir eine bequeme Sitzmöglichkeit. Ein Gefühl der Sicherheit entsteht und du legst dich in den Sand. Das leicht heranrollende Wasser schmiegt sich nun um deinen ganzen Körper. Dein Kopf liegt etwas erhöht und trotzdem kannst du das leise klickernde Geräusch der Sandkörner (gleich den Samen in einem Rohr, die durcheinander gewirbelt werden), hören. Du fühlst, wie sich die Sandkörnchen um deinen Körper legen.
Nun, schon fest verbunden mit der Erde, kann auch eine etwas größere Welle kommen. Ein Rauschen...die Woge kommt...streichelt deinen Körper, macht halt vor deinem Kopf, und verschwindet wieder. Die großen und kleinen Wellen, die kommen und gehen, nehmen mit was keine feste Verankerung hat oder nicht mehr gebraucht wird. (schiirum, schiirum, baroomm). Eine langersehnte Stille macht sich breit.
In unserem Inneren herrscht Ruhe. Nun wird dir die reinigende Wirkung bewusst, nachdem einige Zeit vergangen ist.
Keine kreisenden Gedanken mehr. Keine bedrückenden Sorgen, die dich quälen.
Das sanfte Streicheln des Meeres hat auch dich erleichtert und mitgenommen, was keine Beständigkeit hat. Alles Unnütze wurde dem Meer überlassen und dafür Platz geschaffen für Neues. Platz für freundliche Gefühle und positive Gedanken, die zu neuer Kraft verhelfen. Nun kannst du leichten Schrittes weiter gehen, um dem Leben und seinen Anforderungen wieder zu begegnen.
Erde
Du stehst vor einem Wald. Mächtige Buchen bilden ein Dach aus Blättern, die nur wenig vereinzelte Sonnenstrahlen durchlassen. Beim Betreten des Waldes ändert sich der Untergrund.
Das Moos unter deinen Füßen gibt nach. An Wurzeln und Heidelbeerbüschen vorbei läufst du weiter. Der würzige Geruch von Erde, Moos und harzigem Holz liegt in der Luft. An einer Lichtung fällt der Sonnenschein wie ein goldener Strahl auf einen Baum. Groß und mächtig steht er da. Seine knorrige Rinde schützt ihn vor dem Frost.
Seine Krone biegt sich flexibel jedem Wind. Jedem Wetter trotzt er fest verankert mit dem Erdreich. Nach allen Seiten hat er seine Wurzeln ausgebreitet und tief in den Boden gegraben. Eine seiner mächtigen Wurzeln bietet eine gute Sitzgelegenheit und du lässt dich für einige Augenblicke darauf nieder.
Auf der Wurzel sitzend, angelehnt an diesem starken Stamm fühlst du dich sicher und verbunden mit allem, was um dich herum ist. Du kannst einem Eichhörnchen nachschauen, das gerade in den Ästen turnt. An einem anderen Stamm hämmert ein Buntspecht und sucht unter der Rinde nach Nahrung. Ein Eichelhäher verkündet lautstark seine Anwesenheit. Unter einem Busch scharrt eine Amsel im Laub. Das stille Betrachten der Natur mit all seiner Vielfalt lässt deine eigenen Gedanken zur Ruhe kommen. In diesem Moment bist du nur ein Teil der Natur. Nichts von deinen Ängsten und Sorgen ist jetzt spürbar.
Die Erkenntnis, dass jedes Lebewesen hier im Wald einfach nur jeden Tag von neuem lebt und sein Leben jeden Tag auf die neuen Gegebenheiten einstellt, ohne sich um alles Sorgen zu machen, lässt auch dich ruhig werden. Mit der Erkenntnis, dass für jedes Lebewesen genug da ist, wenn wir uns unseren Lebensbedingungen anpassen und uns den Anforderungen jeden Tag aufs Neue stellen. Jetzt kannst du deine Ängste aus einem anderen Blickwinkel betrachten und stellst fest, dass viele deiner Befürchtungen gar nicht zwangsläufig eintreten müssen.
Vieles könnte sich in Luft auflösen, wenn wir einfach einmal abwarten, was wirklich geschieht und dann gezielt nach Lösungen suchen. Und uns dann flexibel wie die Natur unseren neuen Gegebenheiten anpassen. Schmerzhafte Lebensabschnitte sind leichter zu bewältigen, wenn wir uns unserer Wurzeln besinnen, um dort Hilfe zu finden. Wagemutige Entscheidungen werden sicherer, wenn man die Grundvoraussetzungen geschaffen hat. Unser Alltag wird leichter zu bewältigen, wenn wir uns an den Baum erinnern, der sich dem Wind standhaft entgegenstellt und sich vor dem Sturm verbeugt, bis er sich wieder beruhigt hat. Mit einem Gefühl der Dankbarkeit setzen wir unseren Spaziergang fort.
Aber wir werden wieder kommen! Immer dann, wenn wir uns die Kraft und Stabilität des Baumes und der Natur zu eigen machen wollen.
Luft
Stell dir vor du sitzt auf einer Bank in der Sonne. Eingewickelt in eine Decke genießt du den Wind. Er bläst warm und angenehm und treibt die Wolken am Himmel vorwärts. Den Blick gen Himmel gerichtet verfolgst du die ständige Formänderung der Wolken. Mit deiner Phantasie entstehen immer neue Bilder. Im Moment gleichen sie einer Herde Wildpferde, die schnell davon galoppieren. Du schließt die Augen und lässt dich treiben. Die Vorstellung auf einem dieser Mustangs zu reiten, beflügelt deine Gedanken.
Du sitzt auf einem weißen Pferd. Der Sattel weich wie Watte. Die Hände fest um die überlange Mähne des Tieres geschlossen beginnt eine aufregende Reise. Unter dir tauchen Seen, Häuser, Berge und Täler auf, die sogleich wieder hinter dir verschwinden. In rasendem Tempo fliegst du über die Landschaften. Deine Haare wehen im Wind. Man kann alles gut erkennen, aber die Geschwindigkeit lässt kein Innehalten zu. Alles kommt und geht! Ein Gedanke kommt und im nächsten Moment, gleich den Landschaften, verschwindet er wieder. Dein Kopf wird angenehm leer. Nur noch schauen, ohne festhalten zu wollen. Alles, was dich belastet hat, fliegt davon und verschwindet.
Die Vergangenheit liegt hinter dir. Vor dir die Zukunft. Ein Gefühl der Freiheit und Unbeschwertheit lässt dich lächeln… Ein Glücksgefühl, das dein Herz jubeln lässt… die Freude zu leben und auch Dankbarkeit, es erleben zu dürfen… Ein Sonnenstrahl dringt durch die Wolken und wärmt dir dein Gesicht... eine neue Böe lässt dich in die Gegenwart zurückkehren. Zurück von deinem Ausritt mit der Wolke wird dir eines klar. Es ist sehr befreiend, sich hin und wieder treiben zu lassen. Seiner Fantasie immer wieder freien Lauf zu lassen, damit wieder frische Gedanken und Ideen kommen können. Um auszutauschen, was veraltet ist und nicht mehr gebraucht wird. Nur so können wir Neues hervorbringen und uns einen Überblick unserer Möglichkeiten verschaffen. Sich eine Welt zu erhalten, in der auch noch Kinderträume ihren Platz haben. Um das Glück im Leben nicht auszusperren, weil wir verlernt haben, die schönen Augenblicke zu genießen.
Feuer
Unser nächster Tagtraum führt uns nach Afrika. Afrika, das Land der Trockenheit und der Savannen. Riesige Schirmbäume und heißer Wind. Auf einem Baumstamm sitzend beobachte ich das Treiben der Dorfbewohner.
Jetzt in der Abendsonne erscheint alles in einem warmen Licht und die Sonne wird angenehm auf der Haut. Ein emsiges Treiben um uns herum. Die Vorbereitungen für ein Fest sind in vollem Gange. Man kann die freudige Erregung bei den Menschen sehen und fühlen. Mit einfachsten Zutaten wird ein köstliches Essen zubereitet. Sie malen sich die Körper mit Farbe an. Mitten am Dorfplatz wird gesammeltes Holz aufgestapelt. Mit der fortschreitenden Zeit nähert sich die Sonne dem Horizont. Die Menschen versammeln sich in einer Runde um den Feuerplatz. Die Stimmen werden leiser als eine dunkle, erdige Trommel ertönt. Das aufgetürmte Holz wird entfacht. Die Flammen züngeln zum Himmel und erhellen den Platz. Eine Gruppe geschmückter Tänzer bewegt sich zum Rhythmus der geschlagenen Trommeln.
Erst langsam, dann immer schneller… die Tänzer wirbeln durcheinander und stampfen mit den Füssen zum Klang der Trommeln… immer mehr Menschen stimmen sich auf den Rhythmus ein. Alles tanzt und singt viele Stunden lang, bis alle Energien aufgebraucht sind. Dann wird es ruhiger und sie stärken sich gemeinsam an den zubereiteten Speisen. Zufrieden sitzen sie jetzt um das Feuer vereint und genießen den warmen Schein des Feuers.
Die Licht- und Schattenspiele der Flammen laden zum Träumen ein. Ruhe und Frieden ist eingekehrt am Dorfplatz. Nur noch das Knistern und Knacken des Feuers ist zu hören. Zu sehen ist das Licht und Schattenspiel des Feuers, das die Gesichter der Dorfbewohner beleuchtet. Alle sitzen entspannt um die lodernden Flammen und folgen dem Funken, die in den Himmel fliegen. Sie geben Ihre Wünsche und Sorgen den Funken mit, die eine Zeit lang aufsteigen und später verlöschen. Die Ausgelassenheit beim Tanz und jetzt das zur Ruhe kommen schenkt Frieden und innere Ruhe.
Mit diesem Loslassen haben sie die Möglichkeit, später neue klare Gedanken zu fassen, neue Kraft zu tanken und dem Leben, ohne die Sorgen und Mühen der Vergangenheit, neu zu begegnen. Das Fest klingt aus im Schein des niederbrennenden Feuers. Sie legen sich schlafen, mit dem Wissen, dass sie am nächsten Morgen wieder genügend neue Energie zur Verfügung haben, um ihr Leben zu meistern. Auch ich lege mich schlafen und werde versuchen, dieses Wissen mir Ruhe zu verschaffen umzusetzen, wenn ich auch eine Auszeit oder neue Kraft fürs Leben benötige. Ich habe verstanden, dass man nur innere Ruhe finden kann, wenn man aufgestaute Energien und alte Ängste und Sorgen losgelassen hat. Jeden Tag dem Leben aufs Neue zu begegnen bedeutet „im Hier und Jetzt“ zu leben.